Lang hatte ich kein Theaterpublikum mehr beobachten können, das sich köstlich amüsiert, dies durch Lachen, Zurufe und Klatschen bekundet und freudig nach Zugaben verlangt. Und nun saß ich in einer alten Kirche (?), die zu einem Veranstaltungsort umfunktioniert worden war, und wohnte Erstaunlichem bei: Frieda Braun (?) trat in den ausverkauften Saal und die Zuschauer begrüßten sie wie eine alte Bekannte ? oder besser: wie eine Heimkehrende. Man hatte schon von ihr gehört und wollte nun dem tristen Alltag für ein paar Stunden den Rücken zukehren (?) Und wie das funktionierte! Sie kam, spielte und siegte. Mit Lockenwicklern, Hornbrille und Kittelschürze erzählte sie von ihrem Mann Erwin, ihrer Schwester Mia, ihren Nachbarinnen Thekla und Brunhild; mal verschmitzt, mal verschroben, aber immer wie Tante Frieda von nebenan eben. Und das Publikum tobte. Woher rührte die ungewohnte Euphorie der Zuschauer? Wie schaffte es Karin Berkenkopf, als Frieda Braun ein ganzes Publikum über fast zwei Stunden zu begeistern? (?) Und wieso hatte ich selbst mich amüsiert wie selten zuvor? ? Die Idee für die vorliegende Magisterarbeit war geboren.

Einleitung zur Wissenschaftlichen Arbeit zur Erlangung des akademischen Grades Magistra Artium von Esther Scharf. Titel: Karin Berkenkopf und ihre Figur der Frieda Braun. Ein Theatererfolgsmodell aus der Provinz.